… Gerade weil digital nicht mehr alles wirken kann.
von Christian Gabriel
Unser Fazit vorweg: Print ist nicht zurück, weil Menschen plötzlich nostalgisch geworden sind. Print ist relevant, weil digitale Kommunikation an Grenzen stößt. Aufmerksamkeit wird knapper, Akzeptanz fragiler, Vertrauen schwieriger. Gleichzeitig zeigen aktuelle Studien, dass postalische Werbesendungen und Print-Mailings weiterhin messbare Wirkung entfalten. Die Zukunft liegt deshalb nicht im Entweder-oder von Print und Digital, sondern in einem klügeren Zusammenspiel. Digital bleibt unverzichtbar. Print kann den entscheidenden Impuls geben.
Oder einfacher gesagt: Wenn alle schreien, gewinnt nicht automatisch der Lauteste. Manchmal gewinnt der, der dem Kunden etwas in die Hand gibt, das sich nach Relevanz anfühlt.
Digitale Kommunikation hat ein Aufmerksamkeitsproblem
Kommunikation wurde in den letzten Jahren immer digitaler, schneller, automatisierter und datengetriebener. Das hat enorme Vorteile: Kampagnen lassen sich genauer aussteuern, Zielgruppen differenzierter ansprechen und Responsewege besser messen.
Aber digitale Kommunikation ist vielerorts überfüllt. Newsletter, Push-Nachrichten, Retargeting, Banner, Social Ads, Pop-ups und automatisierte E-Mails kämpfen permanent um Aufmerksamkeit. Das Ergebnis ist nicht immer mehr Wirkung. Oft ist es einfach mehr Lärm.
Der Optimove Consumer Marketing Fatigue Report 2025 zeigt: 70 Prozent der Befragten haben sich innerhalb von drei Monaten von mindestens drei Marken abgemeldet, weil sie zu viele Nachrichten erhalten haben. 78 Prozent wünschen sich weniger, dafür relevantere Kommunikation. Eine GetApp-Studie aus Deutschland meldete 2024 zudem, dass 44 Prozent der Befragten Adblocker nutzen, um Online-Anzeigen zu vermeiden.
Das ist kein Kratzer im Lack. Das ist ein Signal. Marken sollten nicht nur fragen, wie sie noch häufiger sichtbar werden. Sie sollten fragen, warum Menschen diese Sichtbarkeit zunehmend ausblenden wollen.
Warum Print wieder stärker auffällt
Ein gedrucktes Mailing ist kein flüchtiger Kontakt. Es verschwindet nicht nach wenigen Sekunden aus dem Feed, wird nicht von einem Algorithmus nach unten geschoben und konkurriert nicht gleichzeitig mit 14 Tabs, drei Benachrichtigungen und einem Video mit Untertiteln. Es liegt da. Im Briefkasten. Auf dem Tisch. In der Hand.
Print hat Material, Format, Gewicht, Haptik und eine gewisse Verbindlichkeit. Ein gutes Mailing signalisiert: Hier hat sich jemand Mühe gemacht. Hier wurde nicht nur ein digitales Asset in 18 Formate exportiert und anschließend mit Zielgruppenparametern beworfen. Hier wurde gestaltet, produziert, adressiert und verschickt.
Natürlich macht Papier allein noch keine gute Kommunikation. Auch Print kann nerven. Ein schlechtes Mailing bleibt ein schlechtes Mailing. Nur eben gedruckt. Aber gutes Print schafft einen Moment: Aufmerksamkeit, Ruhe, Beschäftigung. Und manchmal ist genau dieser Moment der Anfang einer messbaren Reaktion.
Die Zahlen sprechen für Wirkung
Der „Dialogmarketing-Monitor 2024“ der Deutschen Post zeigt: Der deutsche Werbemarkt wuchs 2023 um 2 Prozent auf 42,5 Milliarden Euro. Dialogmedien steigerten ihren Marktanteil auf 56 Prozent. Postalische Werbesendungen erreichten rund 5,9 Milliarden Euro und bleiben damit ein relevanter Bestandteil des Werbemarkts.
Besonders spannend ist die CMC Print-Mailing-Studie 2026. Sie berichtet für Print-Mailings eine durchschnittliche Conversion Rate von 4,0 Prozent, einen Return on Advertising Spend von 961 Prozent und einen um 24,8 Prozent höheren durchschnittlichen Warenkorb nach Erhalt eines Print-Mailings. Außerdem besuchten 8,5 Prozent der Empfänger nach Erhalt direkt den Online-Shop.
Das ist der entscheidende Punkt: Print wirkt hier nicht gegen Digital. Print führt zu Digital. Ein Mailing kann der Impuls sein, der Menschen auf eine Website führt, in einen Shop bringt, zu einer Beratung bewegt oder eine Marke wieder ins Bewusstsein ruft.
Und was ist mit Nachhaltigkeit?
Ein häufiges Argument gegen Print lautet: Gedruckte Werbung sei weniger nachhaltig als digitale Kommunikation. Papier, Druck, Transport, Entsorgung — das klingt erst einmal eindeutig. Digital wirkt dagegen sauber und immateriell.
Nur ist die Rechnung nicht so einfach. Digitale Kommunikation braucht Endgeräte, Rechenzentren, Server, Netzwerke, Strom, Software, Tracking-Systeme, Adserver und Datenübertragung. Auch jeder Banner, jedes PDF, jeder Newsletter und jedes Video hat einen ökologischen Fußabdruck. Man sieht ihn nur nicht im Briefkasten.
Eine Studie des Öko-Instituts Freiburg zum Treibhausgaspotenzial von Print- und Onlinewerbung kommt zu dem Ergebnis, dass Printwerbung in bestimmten Szenarien klimafreundlicher abschneiden kann als digitale Alternativen.
Heißt das, Print ist automatisch nachhaltig und Digital automatisch problematisch? Nein. Entscheidend ist die konkrete Umsetzung. Die bessere Nachhaltigkeitsfrage lautet nicht: Print oder Digital? Sondern: Welche Maßnahme erzeugt mit möglichst wenig Ressourcen möglichst viel relevante Wirkung?
Oder kürzer: Nachhaltigkeit heißt im Marketing nicht automatisch weniger Papier. Nachhaltigkeit heißt weniger Verschwendung.
Print und Digital gehören zusammen
Die falsche Frage lautet: Print oder Digital? Die richtige Frage lautet: Welche Kombination erzeugt die beste Wirkung?
Ein Print-Mailing kann Aufmerksamkeit schaffen. Eine Landingpage kann vertiefen. Ein Newsletter kann erinnern. Social Media kann Vertrauen aufbauen. Ein Beratungsgespräch kann konvertieren. Ein persönlicher Gutschein kann aktivieren.
Wenn diese Bausteine sauber zusammenspielen, entsteht nicht einfach mehr Werbung. Es entsteht ein System. Print sollte deshalb nicht isoliert gedacht werden, sondern strategisch eingebunden sein: mit klarer Idee, gutem Design, relevanter Botschaft und messbarer Response.
QR-Codes, personalisierte URLs, Gutscheincodes und klare Calls-to-Action machen Print nicht nur greifbar, sondern auch anschlussfähig. Dann wird aus Papier ein Impulsgeber.
Am Ende geht es nicht um Papier. Es geht um Wirkung.
Print ist nicht spannend, weil es analog ist. Print ist spannend, wenn es Wirkung erzeugt: Aufmerksamkeit, Vertrauen, Handlung.
Menschen sind nicht gegen Werbung. Sie sind gegen belanglose, störende, wiederholte und schlecht getimte Werbung. Print kann hier eine andere Qualität erzeugen: ruhiger, greifbarer, fokussierter.
Digital bleibt unverzichtbar. Aber Print kann etwas hinzufügen, das vielen digitalen Kontakten fehlt: Präsenz.
Und manchmal reicht genau das, damit aus einer Botschaft wieder Kommunikation wird.
Quellen
- Deutsche Post / DHL Group: Dialogmarketing-Monitor 2024
- Deutsche Post: CMC Print-Mailing-Studie 2026
- Optimove: 2025 Consumer Marketing Fatigue Report
- GetApp: Studie zu Ad Fatigue in Deutschland
- Öko-Institut: Treibhausgaspotenzial von Print- und Onlinewerbung
- Bundesverband Druck und Medien: Studie Print- und Onlinewerbung im CO₂-Vergleich